Blog von Nathan
Neulich an der StrasseneckeGepostet von Nathan, 23.02.2005
Polydialog von Strassenpassanten
- Unerhört, so etwas! - Pfui, schämen Sie sich was! - Ha, sehr schön, endlich mal einer der Mut hat. - Sind Sie noch bei Trost, junger Mann? Der Polizei sollte man sowas melden! - Ach, der macht doch niemandem etwas. - Es gehört sich nicht und damit basta! - Ach, Sie alte Schachtel, bleiben Sie doch zu Hause und lösen Kreuzworträtsel! - Unerhört! Das muss ich mir nicht bieten lassen. Ich gehe! - Möge Gott Ihnen beim herumvegetieren beistehen! - Ist doch wahr! Diese Alten Leute sind doch einfach total verbissen und intolerant. - Wie steht's mit Ihnen? Wieso machen Sie das hier eigentlich? Was wollen Sie damit bezwecken? - Der hat doch einfach nichts besseres zu tun. Aus Langeweile, sag ich Ihnen, Langeweile! - Ach, noch so eine. - Das ist bestimmt irgend so ein abstrakter Performancekünstler oder einer aus dem Irrenhaus. - Ich glaube er studiert das soziale Verhalten des Menschen in unangenehmen Situationen. - Was denken Sie, junge Frau? - Ich? - Ja, Sie? - Nun. Ich weiss nicht. - Was glauben Sie wieso ein Mensch sowas tut? - Ach, keine Ahnung. Vielleicht hatte er gerade Lust dazu. - Wie bitte? Gerade mal so Lust SO ETWAS zu tun? - Ja! Vielleicht hatte er gerade mal Lust dazu. - So ein Blödsinn! Der macht das nicht einfach nur so. Der will was damit ausdrücken. - Wenn Sie es so gut wissen, dann brauchen Sie mich ja nicht zu fragen. Ich habe besseres zu tun. - Schon eigenartig, wie das ausschaut. Einerseits eklig, anderseits hat es eine gewisse künstlerische Ästhetik. - Ich halte ihn für einen postmodernen Dadaisten, der seine provokale Phase unterdrückt hatte. - Sie verstehen was davon? - Ich habe Kunst und Psychologie studiert, unterrichte am Institut für Soziologie über das menschliche Verhalten in der modernen Gesellschaft. - Dann können Sie mir sicher sagen, was dieser Künstler ausdrücken will? - Ja, sicher. Gar nichts! - Gar nichts? Sie meinen er ist gar kein Künstler? - Nein! - Was meinen Sie dann? - Er ist ein Künstler, der nichts sagt. - Deshalb ist er doch kein Künstler. Das ist ja keine Kunst, einfach nichts zu sagen. Das kann ja jeder. - Probieren Sie es mal! - Nun das ist mir wirklich zu blöde. - Sehen Sie! - Seh ich was? - Ja, ja, genau. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. - So warten Sie doch! Warten Sie. Wie haben Sie das gemeint. Nun bleiben Sie doch stehen... - Er kann noch so schnell rennen. Er wird ihn nicht einholen. - Wie kommen Sie darauf? - Er hat den Schnürsenkel offen.
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