Blog von BeatEN

Cabdriver

Gepostet von BeatEN, 19.08.2004

Eine Geschichte, die das Leben schrieb


Dies ist eine Geschichte aus der Zeitungsrubrik . Sicher nicht banal. Sogar unglaublich, aber wahr. Es geschah im November 1980 in Casablanca. Die Geschichte von Sliman ist die eines Widerspruchs:
An jenem Abend warteten viele Leute in der Kälte und im Chaos auf ein Taxi. Sie wartete auch. Vertrauensvoll, mit über dem Bauch gekreuzten Händen. Man drängelt sich nicht an einer Schwangeren vorbei. Man achtet sie und hilft ihr. Sie war gerade erst gekommen, doch das nächste Taxi war für sie.
Sliman ist ein friedfertiger Mensch. Er hasst Gewalt und geht Menschenaufläufen aus dem Weg. Einmal hatte ihn eine ungeduldige, wütende Menge fast gelyncht. Sein kleines Taxi, ein roter Simca 1000, war nach der Schlacht ganz zerbeult. Seither nahm er sich in Acht. Er hielt nicht mehr an Taxiständen, sondern gabelte die Kunden lieber einzeln von der Strasse auf.
An jenem Abend fuhr er nach Hause und fuhr, ohne anzuhalten, am Taxistand vorbei. Dann sah er die Schwangere, fuhr zurück und blieb vor ihr stehen. Niemand wagte zu protestieren. Die Frau war noch jung. Anscheinend war sie nicht aus der Stadt. Sie sah etwas verloren aus. Sliman fragte sie, ob sei.
, antwortete sie. < Seien sie unbesorgt, ich werde nicht in ihrem Auto gebären!>
Er lächelte und sagte nichts mehr. In Derb Ghellef vor Nummer 24b angekommen, heilt er an und stieg aus, um ihr die Tür zu öffnen.
Die Frau bat ihn, kurz zu warten, bis sie bei ihrer Schwester das Fahrgeld holen konnte. Sliman wartete und rauchte eine Zigarette. Fünf Minuten später kam die Frau, in Tränen aufgelöst, zurück:

Sliman war betroffen. Er scherte sich nicht um das Fahrgeld. Er konnte diese arme Frau in ihrer Verzweiflung nicht sich selbst überlassen.


Sliman drang weiter in sie. Die Frau nahm an. Zu Hause ging alles sehr gut. Die Kinder waren ganz aufgeregt. Sie überliessen der Fremden ihr Zimmer. Slimans Frau war sehr freundlich und gab der werdenden Mutter Ratschläge. Sie suchten gemeinsam nach einem Vornamen, unterhielten sich bis spät in die Nacht. Sliman war offensichtlich stolz auf seine gute Tat und auf seine Frau. Er stand sehr früh am Morgen auf. Die Schwangere war schon auf. Sie war ausgeruht und entspannt und bewegte sich, als gehöre sie zur Familie. Sliman wünschte ihr einen guten Tag und schlug vor, sie zu ihrer Schwester zu bringen. Sie schien nicht zu verstehen, was er sagte. Er wiederholte seinen Vorschlag:


Sliman stiess einen erstaunten Schrei aus und rief seine Frau:
< Wir sind zu gut! Das habe ich dir schon immer gesagt! Zu gut. Es ist unglaublich. Sie will uns reinlegen, diese Tante hier. Sie behauptet, hier zu Hause zu sein und ich sei der Vater ihres Kindes… Die ist verrückt… Ich rede jedenfalls nicht mehr mit ihr. Ich glaube an die Justiz meines Landes. Ich hole die Polizei.>
Seine Frau ermutigte ihn, das zu tun. Die Besucherin lacht schallend und behandelte Slimans Frau schon wie eine Dienerin:


Die Sache wurde schnell ernst. Sie kam vor Gericht. Der Richter beschloss, vor einer genauen Untersuchung des Falles einen ärztlichen Befund für jeden der Beteiligten anfertigen zu lassen. Untersuchungen wurden gemacht: Urin, Blut und Slimans Sperma. Sie würde nicht viel beweisen können. Es war eine Formalität. Doch was man entdeckte, sollte dennoch viel Unruhe auslösen. Die Arzte liessen keinen Zweifel aufkommen: Sliman konnte nicht der Vater des ungeborenen Kindes sein. Er war unfruchtbar. Schon immer.
Diese Enthüllung zerstörte Sliman. Er begann zu trinken. Er lebte und schlief in seinem Taxi. Seine Ehefrau machte einen Hungerstreik und enthüllte dem Richter den Namen des Vaters ihrer Kinder. Es war der Hausbesitzer, bei dem sie zur Miete wohnten. Sie versucht, jedem, der es auch immer hören wollte, zu erklären, dass sie ihren Mann nie betrogen hatte und dass sie diese Kinder aus Liebe zu ihm hatte zeugen lassen. Sie sagte:
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