TREXX.CH - Home

Memberpages

Forum

Artikel
Mahlzeit!



ESSEN UND ÜBERGEWICHT
Ein Artikel von tREXX

Übergewichtige waren lange ein amerikanisches Phänomen. Nun werden auch wir Europäer immer fülliger. Woran liegt's?



Vor nicht allzu langer Zeit konnte man als Europäer beim Anblick fettleibiger Amerikaner guten Gewissens die Nase rümpfen und mit dem Finger auf die augenscheinlichen Folgen eines dekadenten Lebensstils zeigen. Ein paar Jahre später hat die vermeintliche Dekadenz auch auf unserem Kontinent Fuss gefasst. Jetzt, da auch wir in die Breite gehen, sind wir dazu angehalten uns Gedanken über die Molligen (wehret den Anfängen!), Rundlichen, Dicken, Fettleibigen und Adipösen zu machen. Strecken wir also den Zeigefinger aus und betasten damit zuerst kritisch unseren eigenen Bauch!

Das menschliche Dasein nahm seinen Anfang in der Rolle des Jägers und Sammlers. Auch heute noch durchstreift der Mensch sein Revier, den Supermarkt, auf der Suche nach Nahrung. Dabei ist es nicht unbedingt schwierig, im Laden Essbares aufzuspüren. Schwierig ist es, Essen zu finden, dass gesund ist und trotzdem besser schmeckt als ein Büschel Gras. Das klingt, verglichen mit den existenziellen Sorgen unserer Urahnen bei der Nahrungssuche, nicht besonders dramatisch. Tatsache ist aber, dass die Wahl, die wir am Regal treffen, in der heutigen Zeit fast ebenso ernste Konsequenzen auf die Gesundheit unserer Gesellschaft hat, wie ein explosionsartiges Wachstum der Bärenpopulation in der Urzeit. Nebenbei gesagt würde es einigen Supermarktkunden aber, zumindest aus sportlicher Hinsicht, sicher gut tun, ab und zu von einem Bären durch die Regale gehetzt zu werden.

Weshalb stopfen wir also unvernünftig viel Süsses und Fettes in uns hinein? Wollen denn nicht alle schlank und schön sein? Bahnt sich ein neues Schönheitsideal „dick ist schick“ an oder können wir einfach nicht anders?

Denken wir an unsere Kindheitsjahre zurück, so erinnert sich sicher fast jeder, an Momente in denen gute Leistungen mit Süssigkeiten belohnt worden sind. Der Grossvater hat uns einen Schoggifünliber geschenkt, wenn wir brav das „Bist-du-aber-gross-geworden“- Ritual über uns ergehen liessen. Die Mutter steckte uns ein Schoggistängeli zu, wenn wir eine hübsche Zeichnung gemacht hatten. Kurz: wir wurden darauf getrimmt, schöne Erlebnisse mit Schokolade zu verknüpfen! Weshalb hat man uns damals nicht eine Stange Lauch oder eine Tomate gegeben, wenn wir uns von unserer Schokoladenseite gezeigt haben? Wieso wurde uns weisgemacht, Kinderschokolade sei spannender als an eine leckere Banane? Wieso geben Coca-Cola, McDonalds und Konsorten so viel Geld für Werbung aus, wenn sie doch wissen, dass wir alle nur dick und rund von dem Zeug werden? Beinahe scheint man eine weltumspannende Verschwörung hinter diesem System zu erahnen.

Gründe für Körpergewicht im Überfluss gibt es viele. Die meisten davon sind so offensichtlich und wohlbekannt, dass man annehmen müsste, es sei einfach, sich gesund und vernünftig zu ernähren. Doch scheinbar steckt in uns Menschen noch genug Jäger und Sammler um das üppige und nahezu unbegrenzte Nahrungsangebot unkritisch wegzuputzen.
Alte Gewohnheiten ändern sich langsam. Wenn Eltern es nicht schaffen ihren Kindern einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln auf den Weg zu geben, wird es vielleicht tatsächlich notwendig werden, staatlich verordnete Gesundheitsprogramme ins Leben zu rufen oder allzu einladenden Werbebotschaften für Ungesundes einen Riegel vorzuschieben. Denn fettleibig zu sein hat nicht nur für die Betroffenen unangenehme Konsequenzen. Auch die Schlankgebliebenen tragen diese Last mit – in der Form von steigenden Gesundheitskosten.

Aktualisiert am: 19. Juni 2004
Erstellt am: 19. Juni 2004
Views im Juli 2010: 14
Views Total: 2588


Kommentare
Hat dir dieser Artikel gefallen? Möchtest du etwas zu dem Thema sagen? Dann mach jetzt deinen Kommentar zum Artikel!

Zur Diskussion...
10 Kommentare